Naturentfremdung

Unterschätztes Zeitgeistphänomen


Frankenwald Höllental HimmelfahrtIn fast allen „modernen“ Gesellschaften verschwindet das, was wir als "Natur" bezeichnen, mehr und mehr aus dem Blickfeld insbeondere der jungen Generation. In den angloamerikanischen Medien wird darüber unter Stichworten wie „Nature Deficit Disorder“ oder „Second Environmental Crisis“ ausführlich berichtet. Dabei handelt es sich angesichts der technisch-medialen Globalisierung um ein weltweites Phänomen, das insbesondere in den fortgeschrittenen Industieländern zui denken geben müsste. Offenbar befindet sich die menschliche Evolution bereits mitten in einem revolutionären Übergang von ihrem ursprünglich arteigenen "Biotop" zu einem selbstgeschaffenen "Technotop".

In der deutschen Öffenlichkeit wird das Geschehen keineswegs in seiner ganzen Tragweite wahrgenommen, sondern mehr oder weniger verdrängt und ansatzweise sogar negiert. Die folgende Sammlung aufschlussreicher Statements der letzten Jahre unternimmt den Versuch einer bewusst über den bisherigen Tellerrand von Natursoziologie.de hinausgehenden Bilanz:
Um ene grundlegende Frage kommt man dabei nicht herum

Welche Folgen ein systematischer Naturentzug für die kindliche Enwicklung haben kann und wie weit er in einem benachbarten Industrieland bereits fortgeschritten ist, zeigen zwei Beiträge auf der Seite Kinderreport Natur.

Naturentfremdung - ein Kampfbegriff?


Umso unverständlicher ist der Versuch der deutschen Lobbyverbände von Bauern, Förstern und Jägern, diesen Prozess anhand einer aufwendigen Online-Befragung von Jugendlichen in Abrede zu stellen. Obwohl (oder weil?) gerade die naturnahen Berufe davon besonders betroffen sind, klassifizieren sie in einer Art Kurzschlussreaktion die Rede von der Naturentfremdung als ein „Vorurteil“, das „dringend revidiert“ werden müsse. Wollen sie uns glauben machen, dass alles ruhig so weiterlaufen kann?

Journalistische Neugier


Im Gegensatz dazu wird in den unseren Medien seit kurzem verstärkt auf die zunehmende Distanz des modernen Menschen zur umgebenden Natur verwiesen.
Dafür dürften, abgesehen von den immer dramatischeren Befunden des Jugendreports Natur, vor allem auch das Erscheinen des US-Bestsellers "Last Child in the Woods von Richard Louv in deutscher Sprache verantwortlich sein. Andreas Weber, unter anderem Autor von "Mehr Matsch - Kinder brauchen Natur", findet ähnliche Entwicklungen auch in Deutschland:
Auf eine erklärtermaßen urban geprägte Weise begibt sich der freie Journalist Christian Schüle auf die Suche nach der Natur:

Hintergründe


Als pädagogisch ambitionierter Naturwissenschaftler hat sich Herbert Zucchi bereits Anfang der 2000er Jahre einen Überblick über die kindliche Naturentfremdung verschafft. Seine Pionierstudie wird ist bis heute gültig. Das gilt ähnlich für das ergänzende Zahlenwerk auf der Basis der ersten Ausgaben des "Jugendreports Natur": Der anschließende "Jugendreport Natur 2003" geht dem Phänomen weiter auf den Grund: Aus einer übergreifenden Perspektive empfielt es sich, eine materielle und eine ideelle Dimension des Begriffs zu unterscheiden:



Quellenangaben zu den jeweiligen Literaturhinweisen finden sich im Literaturarchiv.
Kontakt: Redaktion natursoziologie.de