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Jugendreport Natur

Nicht erst seit heute ist die Meinung weit verbreitet, Pottensteindass der jeweils aktuelle Nachwuchs wesentlich weniger Verbindung mit der Natur hat als die Erwachsenengeneration zu ihrer eigenen Jugendzeit. Dies wird immer wieder mal durch Befragungen von Kindern untermauert und um wohlmeinende pädagogische Verbesserungsvorschläge ergänzt. Einen besonderen Höhepunkt in der Geschichte dieses narrativen Dauerbrenners stellt eine Mitte der 90er Jahre verbreitete und bis heute kolportierte Meldung dar, wonach als Folge einer bekannten Schokoladenwerbung bei Kindern die Auffassung verbreitet sei, Kühe seien lila.

Auffällig ist an diesem Stereotyp, dass es in der Regel nur auf Kinder Bezug nimmt. Das gab 1997 an der Universität Marburg nach einer Reihe von Vorfeldstudien den Anstoß für den ersten "Jugendreport Natur", der mit der Mär von der "lila Kuh" gründlich aufräumte. Zugleich aber offenbarte er anhand eines breiten Spektrums von naturbezogenen Fragen zu Wissen und Werten sowie Vorlieben, Interessen und Erfahrungen eine sehr viel weitgreifendere jugendliche "Naturentfremdung". Unregelmäßige Nachfolgestudien mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten dokumentieren mittlerweile einen ständig fortschreitenden Entfremdungsrozess:

Themenschwerpunkte

Jugendreport Natur 1997 "Naturverklärung" (Bambi-Syndrom) N=2.541
Jugendreport Natur 2000 "Ethno-Natur" N=1.630
Jugendreport Natur 2002 "Natur zu Fuß" N=1.200
Jugendreport Natur 2003 "Nachhaltige Entfremdung" N=1.405
Jugendreport Natur 2006 "Natur obskur" N=2.202
Jugendreport Natur 2010 "Natur: vergessen?" N=3.032
Jugendreport Natur 2016 "Natur Nebensache?" N=1.253
Als Einstieg in den umfangreichen Datenfundus bietet das folgende Powerpoint-Abstract eine Auswahl charakteristischer Befunde:
Mit seinem Buch "Last Child in the Woods" hat der Starjournalist Richard Louv 2005 das Thema der jugendlichen Naturentfremdung für die USA aufgegriffen. Seine eindringliche Faktensammlung löste eine regelrechte Volksbewegung aus ("no child left inside"). Hiervon hat sich der deutsche Journalist Andreas Weber (nicht zuletzt mit Bezug auf den Jugendreport Natur 2010) zu einem ausführlichen Titelbeitrag für die Zeitschrift GEO inspirieren lassen - ebenfalls mit einer großen Publikumsresonanz.

Quellenangaben zu den jeweiligen Literaturhinweisen finden sich im Literaturarchiv.
Kontakt: Redaktion natursoziologie.de